Foto: Kultursommer Mittelhessen"Hallo ich heiße Amal und komme aus Afghanistan. In meinem Land herrscht seit 60 Jahren Krieg. Wir brauchen nicht, wie die Menschen in Europa und Nordamerika, immer mehr um ein zufriedenes Leben zu führen. Uns würde es ausreichen, wenn wir ohne Krieg und Gewalt ein ganz normales Leben mit unseren Familien führen könnten". Das war die Botschaft von der Eröffnung des 10. Jungen Kultursommers Mittelhessen, der am Samstag in der Wetzlarer Stadthalle eröffnet wurde. Dabei stellten Kinder und Jugendliche aus vielen verschiedenen Ländern u.a. aus Afghanistan, Kurdistan, Syrien, Eritrea, Rumänien, Russland, dem Libanon, Albanien und vielen anderen Ländern die Ergebnisse des gemeinsamen Projekts aus Wetzlar und Lauterbach unter dem Titel "Traum und Wirklichkeit - alte Heimat, neue Heimat" vor. 

Die Gruppe aus dem Wetzlarer Westend hat unter Leitung von Peter Atzbach seit September 2015 eine Großleinwand 10 x 2 Meter geschaffen, auf der die Kinder und Jugendlichen ihre Sicht der Dinge, ihre Träume, ihre Sehnsüchte, aber auch ihre Ängste und Befürchtungen auf die Leinwand gebannt haben. Der Eindruck, der sich bei der Betrachtung einstellt: Junge Menschen finden immer wieder einen positiven Weg um weiter zu gehen.

Der 11-jährige Kosmi begrüßte in zwei Sprachen die Teilnehmer und ZuschauerInnen des nachmittags, nachdem Sybille Atzbach, Vorsitzende des Kultursommers Mittelhessen e.V. und Dr. Christoph Ullrich, Regierungspräsident und Schirmherr des Jungen Kultursommers die Veranstaltungsreihe mit 60 Veranstaltungen in der ganzen Region eröffnet hatten. 
 
Die Großleinwand bildete quasi das Bühnenbild für die Lauterbacher Gruppe, die unter Leitung von Anka Hirsch ihre Präsentation mit dem Titel "Ratz Fatz DaZ (Deutsch als Zweitsprache) Yallah, Yallah" für die zahlreich erschienen Gäste und ZuschauerInnen darbot. Eine Collage aus Musik, z.B. Volksliedern aus Afganistan und Eritrea, eigenen Songs und Raps, Gedichten aus der Wortwerkstadt (mein liebstes deutsches Wort), Szenen zum Thema "Wenn ich König von Deutschland wäre - was würde ich tun" zeigten eindrucksvoll, wie kreativ sich die jungen Flüchlinge und MigrantInnen in den künstlerischen Prozeß des Projekts einbrachten, obwohl sie gerade erst dabei sind, die deutsche Sprache und so manche Sitten und Gebräuche zu erlernen.
 
Insgesamt waren ca. 80 Kinder und Jugendliche in beide Projekte involviert und haben mit viel Fantasie, Kreativität, großem Engagement gezeigt, was in Ihnen steckt. Ein beeindruckendes Ergebnis wie alle Anwesenden fanden. "Wenn ich nicht schon vorher von diesem Projekt so überzeugt gewesen wäre, dass wir vom Jungen Kultursommer viel Zeit, Mittel und Energie in diese Aufgabe gesteckt haben, so hätten mich die jungen Leute heute zu 100% für ihre Arbeit begeistert. Zur Integration braucht es sicher viele Dinge" sagte Sybille Atzbach, "aber ohne Kunst und Kreativität wird es nicht gelingen. Und im Üb-
rigen hat Amal die Dinge auf den Punkt gebracht. Das hat uns alle sehr berührt". 
 
Die nächste Aufführung ist am 14.7. in Lauterbach/ Schloß Eisenbach, weitere Aufführungen sind geplant. Aktuelle Informationen stets unter www.Kultursommer-Mittelhessen.de