Oliwer Bienias. Foto: SCHULEWIRTSCHAFT MittelhessenSeit über fünf Jahren arbeitet das Projekt I AM MINT in Hessen daran, Jugendliche für gewerblich-technische Berufe zu begeistern. Besonders erfolgreich ist die Arbeit in der Region Mittelhessen: Über 120 schriftliche Kooperationsverträge, 60 teilnehmende Unternehmen, 24 beteiligte Schulen – so sieht die Erfolgsbilanz von Projektleiterin Iris Hoffmann aus. Alleine im laufenden Schuljahr nahmen 320 Schülerinnen und Schüler an über 75 Betriebserkundungen teil. Dort werden die Jugendlichen aber nicht von erfahrenen Facharbeitern oder Personalverantwortlichen empfangen, sondern von einem oder zwei Auszubildenden. Die heißen in dem Projekt Azubi-Mentoren, werden im Vorfeld pädagogisch geschult und stellen den jungen Besucherinnen und Besuchern vor Ort live ihre Berufe vor.

Dieser äußerst praktische Ansatz überzeugt und weckt das Interesse an gewerblich-technischen Berufen aus dem MINT-Bereich. So auch geschehen bei Oliwer Bienias, der vor drei Jahren mit I AM MINT die Firma Pfeiffer Vacuum besuchte und dort heute nicht nur eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, sondern im kommenden Jahr selbst als Azubi-Mentor einsteigen wird. Als ehemaliger Schüler der Lahntalschule, die bereits 2013 in I AM MINT eingestiegen war, kam Bienias eher zufällig zu dem Projekt. Zwar fand er damals das klassische „Schrauben“ an Maschinen und Geräten nicht uninteressant, konnte sich aber auch eine Ausbildung zum Koch gut vorstellen. Auf die Frage, was ihn denn dann dazu motiviert hat, doch teilzunehmen, scheint die Antwort ganz einfach: „Ich wollte die Betriebe einmal von innen sehen. Dafür war ich dann auch bereit, nach Unterrichtsschluss mitzufahren, “ so Bienias heute. Insgesamt bekommt er die Gelegenheit drei Unternehmen zu besuchen. Das Interessanteste? Natürlich Pfeiffer Vacuum. Als sein Interesse geweckt war, ging der Rest ganz einfach: „Egal ob bei der Jobbörse der Lahntalschule oder auf Ausbildungsmessen, immer wenn sich die Gelegenheit bot, besuchte ich den Stand von Pfeiffer Vacuum und suchte das Gespräch mit dem Ausbildungsleiter Herrn Harapat. Am Ende hat sich die Hartnäckigkeit dann eben ausgezahlt und ich bekam einen Praktikumsplatz. Die positiven Eindrücke im Betrieb haben mich dann darin bestätigt, dass ich hier meine Ausbildung beginnen möchte“, fasste Bienias zusammen.

Sein Ausbilder Erhard Harapat sieht auch für das Unternehmen Pfeiffer Vacuum diverse Vorteile, die eine Teilnahme bei I AM MINT mit sich bringt: „Unser Ziel war es von Anfang an, ein stabiles Netzwerk mit den Schulen der Region aufzubauen, um im direkten Kontakt mit den Jugendlichen und Lehrkräften unsere Ausbildungsberufe in den Fokus rücken zu können. Dies ist uns mit dem Projekt hervorragend gelungen. Ein weiteres wichtiges Plus ist natürlich die Koordination und Unterstützung durch Frau Hoffmann und die hohe Verbindlichkeit der Kooperationen.“ Um weiterhin erfolgreich bei den Teilnehmern von I AM MINT punkten zu können, hat sich Pfeiffer Vacuum für die nachmittäglichen Besuche im Unternehmen einiges für die Jugendlichen einfallen lassen. „Wir nutzen nur einen kleinen Teil der knapp drei Stunden hier im Betrieb für theoretische Dinge wie eine kurze Unternehmenspräsentation oder Grundinformationen zu unseren Ausbildungsberufen. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem praktischen Ausprobieren gemeinsam mit den Azubi-Mentoren und dem Blick hinter die Kulissen der zukünftigen Arbeitsplätze unserer Auszubildenden. So stellen wir sicher, dass jeder, der über ein gewisses Grundinteresse für technische Berufe verfügt, schnell feststellen kann, welche Tätigkeit für ihn oder sie eine tatsächliche Option für die Zukunft sein könnte,“ so Harapat weiter.

Inzwischen läuft das Projekt an der Lahntalschule erfolgreich weiter. Carmen Lenzer verantwortet dort das Thema Berufsorientierung und hatte I AM MINT 2013 an die Schule geholt. Auch wenn in den vergangenen Jahren regelmäßig Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement an den Betriebserkundungen teilnehmen, ist auch ihr die Geschichte von Oliwer Bienias besonders im Gedächtnis geblieben: „Bei Oliwer mussten wir von Schulseite am Anfang erst ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Als dann vor Ort in den Betrieben allerdings schnell deutlich wurde, wie sehr ihn gewerblich-technische Berufe begeisterten, war er kaum noch zu bremsen. Die Art und Weise, wie Oliwer dann gezielt auf eine Ausbildung bei Pfeiffer Vacuum hingearbeitet hat, machte für uns als verantwortliche Lehrkräfte das Potential des Projektes deutlich. Natürlich ist es ein weiterer wichtiger Vorteil, dass wir nun einen ehemaligen Projektteilnehmer haben, der nun selbst wieder im Rahmen von I AM MINT zu uns in seine alte Schule kommt und über seine Erfahrungen berichtet.“ Die Lahntalschule verfügt inzwischen neben Pfeiffer Vacuum noch über fünf weitere Partnerunternehmen. Alleine in diesem Schuljahr fanden fünf Betriebsbesuche für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes statt.

Verantwortlich für das Projekt I AM MINT als Teil der hessischen MINT-Aktionslinie ist SCHULEWIRTSCHAFT Hessen bzw. deren Regionalorganisationen. Sascha Drechsel, Geschäftsführer SCHULEWIRTSCHAFT Mittelhessen ist begeistert von dem überragenden Interesse bei den heimischen Betrieben und Schulen: „Die Zahlen sprechen hier einfach für sich. Mit über 120 schriftlichen Kooperationsverträgen, den knapp 150 ausgebildeten Azubi-Mentoren und den unzähligen Betriebsbesuchen können wir hier vor Ort definitiv von einem tollen Ergebnis sprechen. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass dieser Erfolg maßgeblich durch das große Engagement von Frau Hoffmann als Koordinatorin und Managerin des entstandenen Netzwerkes möglich gemacht wurde. Wir hoffen, dass auch in Zukunft noch viele weitere Kooperationen geschlossen werden können, um so auch weiterhin Jugendliche für die MINT-Berufe begeistern zu können.