Rund 50 Teilnehmer_innen informierten sich zum neuen FachkräfteeinwanderungsgesetzUngeachtet aller konjunkturellen Entwicklungen braucht die Wirtschaft an Lahn und Dill zunehmend Fachkräfte auch aus dem Ausland. Mit dem am 1. März 2020 in Kraft getretenen Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll es nun deutlich einfacher werden, beruflich qualifizierte Menschen aus Nicht-EU-Ländern zu gewinnen. In einer Info-Veranstaltung informierte die IHK Lahn-Dill in Kooperation mit dem Regionalmangement Mittelhessen, wie die Zuwanderung vor Ort praktisch unterstützt werden kann.

Bis 2024 sollen in Hessen knapp 175.000 Fachkräfte mit qualifiziertem Bildungsabschluss fehlen. So eine Studie des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. In Mittelhessen werden es rund 43.000 Fachkräfte sein. Deshalb ist die Fachkräftesicherung ein wichtiges zukunftsentscheidendes Thema für das Land.

Rund fünfzig Teilnehmer aus verschiedenen Branchen der Wirtschaft, aus der Verwaltung und von Bildungseinrichtungen waren deshalb auch erschienen, um sich kurz vor dem Start des neuen Gesetzes über die Möglichkeiten der Gewinnung und Eingliederung zu informieren. Dazu standen neben Christian Bernhard, Bereichsleiter Recht/ Fair Play der IHK Lahn-Dill, auch Gabriele Kärcher von der IHK FOSA Frankfurt und Reinhard Strack-Schmalor, Verwaltungsdirektor beim Lahn-Dill-Kreis, Rede und Antwort.

Voraussetzung sei, dass eine aus dem Ausland angeworbene Fachkraft einen Arbeitsvertrag vorweisen könne oder zumindest ein entsprechendes Angebot habe. Zudem sei eine in Deutschland anerkannte Ausbildung notwendig. Außerdem, so Strack-Schmalor, müsse der Bewerber ein Visum vorlegen, eine Aufenthalts- oder eine Niederlassungsgenehmigung haben. Er machte auf einen entscheidenden Unterschied zur bisherigen Praxis aufmerksam: „Eine Vorrangprüfung zugunsten deutscher Bewerber gibt es nicht mehr“, betonte Strack-Schmalor

Unter bestimmten Voraussetzungen könne vor Ort eine Nachqualifizierung erfolgen. Allerdings müsse in diesem Zeitraum – bis zu fünf Jahre – der Lebensunterhalt gesichert sein. Zudem benötige der Bewerber eine Zusage für eine anschießende Arbeitsstelle. Wichtig sei es, so betonte er, gute Kenntnisse der deutschen Sprache vorweisen zu können. Mindestvoraussetzung sei die Kategorie „B1“, die als Rahmen von der EU vorgegeben werde.

Zuständig für die Anerkennung und Bewertung von Abschlüssen aus so genannten Drittstaaten (außerhalb der EU) ist die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) bei der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt. Dass fast jedes zweite Unternehmen zurzeit erfolglos nach Fachkräften sucht, machte Gabriele Kärcher deutlich. Betroffen seien in erster Linie die Branchen Metall und Elektro sowie die Gastronomie. Geprüft werde bei Kandidaten die Dauer der im Ausland erworbenen Ausbildung und die anschließende Arbeit in dieser Branche. Sonst könne eine komplette Anerkennung schwer werden, erläuterte sie. Dann müsse die Möglichkeit einer Nachqualifizierung geprüft werden.

Unternehmen, die ausländische Mitarbeiter suchen, können sich unter anderem an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit wenden, erklärte Christian Bernhard. Als weitere Plattformen für die Rekrutierung böten sich Stellenanzeigen auf den Homepages von Fachmessen und Jobbörsen oder die eigene Internet-Präsentation an. Unterstützung erhielten die Unternehmen auch durch die IHK und den Arbeitskreis für Willkommenskultur innerhalb des Regionalmanagements in Mittelhessen, den er leite.

Mit diesem Arbeitskreis sei die Wirtschaft an Lahn und Dill schon seit vielen Jahren aktiv. „Wir geben den Menschen, die zu uns kommen, Unterstützung und Orientierung“, betonte er. Aber trotz aller Attraktivität der Unternehmen in Mittelhessen, seien am Ende auch die „weichen Standortfaktoren“ wie Schulen, Kindergärten oder das Wohnungsangebot entscheidend.

Dass die Gewinnung ausländischer Fachkräfte in vielen Unternehmen Mittelhessens ein wichtiges Thema ist, wurde auch in der anschließenden von Claudia Wagner, IHK, moderierten Fragerunde deutlich. So kritisierte Olga Rogova von der Global Kant GmbH, dass man ihr bislang noch keine klaren Aussagen zu der vorausgesetzten Sprachqualifikation „B1“ geben konnte.

Dass auch ein Lkw-Fahrer eine dem deutschen Recht entsprechende Ausbildung brauche, erläuterte Reinhard Strack-Schmalor auf Nachfrage von Doreen Duckenbrodt von REWE Spedition und Logistik GmbH.

Zu viele Hürden müssten bei Kontakten mit Botschaften überwunden werden, bemängelte Izabela James von Time Work Services. Auf Nachfrage aus dem Plenum betonte Eckhart Schäfer von der Agentur für Arbeit, dass zwar der Nachweis des Lebensunterhaltes gegeben sein müsse. „Der Bewerber muss im Zweifel Geld mitbringen, aber auch eine Bürgschaft ist möglich.“ In einzelnen Fällen, so Gabriele Kärcher, würden die Angaben im Herkunftsland überprüft.