"COVID-Online“ ermöglicht einen schnellen persönlichen COVID-Check und verbessert die Patienten-Versorgung. (Quelle: Unsplash/ freestocks)"COVID-Online“ ermöglicht einen schnellen persönlichen COVID-Check und verbessert die Patienten-Versorgung in der Zusammenarbeit von Arztpraxis, Rettungsdienst und Universitätsklinikum. In der Gesundheitsregion Marburg-Biedenkopf und am Universitätsklinikum Marburg begegnet man der aktuellen Corona-Pandemie mit Innovation und High-Tech. So wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Hirsch, Professor für Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Philipps-Universität Marburg, einem der internationalen Pioniere im Bereich der Künstlichen Intelligenz, in den vergangenen Tagen und Nächten die neuartige Web-App COVID-Online entwickelt.

Das Universitätsklinikum Marburg und seine Kooperationspartner möchten mit dieser digitalen Unterstützung den Patientenstrom mit Corona-Anfangsverdacht in der Region Marburg-Biedenkopf besser steuern. Menschen, bei denen „Corona-Symptome“ auftreten, sollen mit der Web-App schnell die Möglichkeit bekommen, ihre Erkrankungswahrscheinlichkeit für eine Covid-19-Infektion und ihre Risikodisposition einzuschätzen und gegebenenfalls schnelle Hilfe anzufordern.

Was bietet „COVID-Online“? Die Bürger haben bei Symptomen, die auf eine Coronavirus-Infektion hindeuten über das Online-Portal die Möglichkeit, anhand eines Fragekatalogs einen persönlichen Gesundheits-Check durchzuführen. Es werden zum einen Fragen gestellt zum aktuellen Gesundheitszustand, zu bestimmten Krankheitszeichen wie Fieber, Husten oder Atemnot sowie auch Fragen zu Alter, Geschlecht und Gewicht, zu Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen und zu Begleiterkrankungen, wie Bluthochdruck, Diabetes und Durchblutungsstörungen. Die Web-App liefert dem Nutzer unmittelbar im Anschluss nach Absenden des Fragebogens eine Fallnummer samt Einschätzung seines persönlichen Risikos für das Vorliegen eine Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) bzw. zu seinem Risiko, Komplikationen zu erleiden. Zudem erhält der Nutzer Hinweise zum weiteren Vorgehen in seiner Region, also sehr konkrete nächste Schritte, wohin er sich in seiner Region wenden kann. Ist die Situation mehrdeutig, bietet die Web-App den Nutzern die Möglichkeit, über ein Call-Center am Universitätsklinikum Marburg mit Fachärzten und angehenden Medizinern in Kontakt zu treten, welches seit Freitag, 3. April 2020, täglich von 7.30 bis 18.00 Uhr für Fragen zum COVID-Online-Ergebnis zur Verfügung steht.

Die Fallnummer von COVID-Online dient später auch zur Ergänzung klinischer Befunde, damit Ärzte stets ein vollständiges Bild haben. Selbstverständlich ersetzt das System nicht eine fachliche, medizinische Einschätzung und keinen Arztbesuch, es kann aber den Nutzern einen ersten Hinweis und weitere Hilfestellungen geben. Das Entwicklerteam aus Medizinern und IT-Spezialisten unter Leitung von Prof. Dr. Hirsch und Prof. Dr. Bernhard Schieffer hat in die Programmierung der Fragen-Algorithmen die aktuellsten klinischen Erfahrungen zu COVID-19 aus China, Italien und Spanien und einem breiten Expertenkreis eingebracht.

Die Web-App kann nicht nur im Landkreis Marburg-Biedenkopf genutzt werden, sondern steht perspektivisch auch bundesweit zur Verfügung, bietet dort aber derzeit aus Kapazitätsgründen weder die regionsspezifischen Handlungshinweise noch die UKGM-Klinik-Hotline. Ein erster Probelauf hat bereits gezeigt wie hilfreich dieses in Rekordzeit entwickelte System sein kann. Die Entwickler weisen jedoch darauf hin, dass es am Anfang zu einer hohen Auslastung und Wartezeiten kommen kann, weshalb die Bürgerinnen und Bürger um Geduld gebeten werden. Die bisher etablierten Anlaufstellen der hausärztlichen Infektionssprechstunden und die Hotline 116117 stehen ja auch weiterhin zur Verfügung. Das System stellt für das Universitätsklinikum Marburg und den Landkreis Marburg-Biedenkopf einen technologischen Quantensprung dar, weil über eine digitale Steuerung regionale Krankenhäuser, Rettungsdienst, Arztpraxen, sozialen Einrichtungen wie Pflege- und Altenheimen digital vernetzt werden und so ihre Patienten gezielter und zeitsparender steuern können. Hierfür danken wir allen Kooperationspartnern, die sich dem Projekt bereits jetzt schon mit viel Enthusiasmus angeschlossen haben, und der Stiftung Münch für ihre finanzielle Unterstützung.