Jan und David von Istari.ai (v.l.n.r.)Von der Hochschule ins eigene Unternehmen: Wir haben die passionierten Jungunternehmer und Wissenschaftler von istari.ai getroffen und über ihre Vision und die Digitalisierung des deutschen Mittelstands gesprochen. Wie sie zu ihrem eigenen Unternehmen gekommen sind, erfahrt ihr mit Klick auf "Weiterlesen". 

Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir bei istari.ai sind ein Team von jungen Wissenschaftlern, die sich zusammengetan haben, um ihre Begeisterung und Kompetenzen im Bereich künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Web Mining in einem Unternehmen zu bündeln. David ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie der JLU Gießen und Jan ist Wissenschaftler am ZEW – Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und Doktorand an der Universität Salzburg. Unser Anspruch ist es, wissenschaftlich fundierte Webanalysen mit modernsten Methoden anzubieten. Außerdem entwickeln wir gerade unser erstes Produkt, die webAI Engine, ein smartes Business-to-Business Matchmakingsystem.

Was macht eure WebAI Plattform besser als die vergleichbaren Marktprodukte?

WebAI basiert auf einer Datenbank mit etwa 1,2 Millionen deutschen Unternehmen, die über webbasierte Indikatoren beschrieben sind. Hierzu werten wir nicht nur die herkömmlichen Indikatoren wie Patentaktivität, Umsatz, Mitarbeiter etc. aus, sondern schauen auch gezielt auf online Aktivitäten von Unternehmen, bspw. deren Webseiten. Die gesammelten Daten werten wir mit Machine Learning Methoden aus. Dadurch ist unsere Engine um ein Vielfaches leistungsstärker als herkömmliche Verfahren: Wir identifizieren unter anderem eingesetzte Technologien und Standards, Geschäftsfelder, Vernetzung mit Geschäftskunden oder neue Produkte. Verglichen mit Matchmaking-Verfahren, die auf traditionellen Unternehmensdatenbanken beruhen, ermöglicht unser Ansatz ein tieferes und detaillierteres Verständnis der Eigenschaften und Aktivitäten von Unternehmen. Dadurch wird es einfacher unser Matching zwischen Unternehmen zu optimieren. Im B2C Bereich gibt es ähnliche Ansätze schon eine ganze Weile: persönliche Empfehlungen basierend auf den eigenen Aktivitäten im Web, insbesondere auf Social-Media-Plattformen. Der B2B Bereich hängt da klar hinterher. Das wollen wir ändern.

Der eine ist studierter Geograph und Doktorrand in Salzburg, der andere promoviert an der Justus-Liebig-Universität im Bereich Volkswirtschaftslehre. Wie habt ihr Zusammengefunden und woher rührt eure Begeisterung für Data Mining und AI?

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der JLU und des ZEW hat uns zusammengebracht. Wir erforschen dort, ob wir über die Webseiten von Unternehmen abschätzen können, ob diese z.B. neue Produkte auf den Markt gebracht haben. Unsere Ergebnisse vergleichen wir dann mit traditionellen Innovationsindikatoren wie Patenten oder Daten aus Umfragen. Wir haben dann sehr schnell gemerkt, dass uns das Thema wahnsinnig viel Spaß macht und ein riesen Potential hat. Als passionierte Programmierer hat es uns zunächst gereizt ein System zu entwickeln, mit dem wir automatisiert gigantische Textmengen herunterladen und mit AI analysieren können. Wenn das dann alles reibungslos funktioniert, ist ein super Gefühl.

In eurem letzten wissenschaftlichen Paper habt ihr euch der Prognose des Innovationsgrads verschiedener Firmen gewidmet. Welches waren eure wichtigsten Erkenntnisse bezüglich des Innovationsgrads deutscher Unternehmen?

Wir sind hier noch vorsichtig mit Aussagen zu neuen Erkenntnissen. Das Papier ist ein erster Schritt hin zu einer webbasierten Indikatorik, welche die bereits bestehenden Innovationsindikatoren ergänzen kann. Hier schlummern vermutlich große Vorteile bezüglich Kosten, Abdeckung und technologischer sowie regionaler Granularität. Die Resonanz auf unser Papier war aber richtig gut und unterstreicht unsere Vermutung, dass in KI-gestützten Webanalysen von Unternehmenswebseiten ein riesiges Potenzial steckt. Ein Potential, dass wir neben unserer theoretischen, wissenschaftlichen Arbeit nun mit unserem eigenen Unternehmen auch in die praktische Anwendung bringen wollen.

Wo seht ihr die größte Herausforderung für die Digitalisierung des deutschen Mittelstands?

Die Transformation der deutschen Wirtschaft durch die Digitalisierung ist deutlich spürbar. Die Veränderung althergebrachter wirtschaftlicher Prozesse in der Kommunikation und in der Arbeitsweise stellen viele Mittelständer vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung aber auch viele neue Chancen. Beispielweise ermöglicht sie die Entwicklung völlig neuer Geschäftsmodelle. Leider mangelt es oft an dem nötigen Know-how, um die neuen digitalen Strukturen gewinnbringend zu nutzen. Insbesondere der Themenbereich Künstliche Intelligenz gehört zu den Schlüsseltechnologien der nächsten Jahrzehnte. Die überschaubare Menge zielgerichteter Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen, die bei der Transformation helfen, kann den Bedarf dazu nicht stillen. Hier klafft eine riesige Marktlücke.

Coder sind derzeit in der freien Wirtschaft händeringend gesucht. Woher kommt der Wille auf eine Festanstellung zu verzichten und stattdessen etwas Eigenes aufzubauen?

Ausschlaggebend ist unsere extreme Motivation. Wir sind von dem Potenzial unserer Arbeit absolut überzeugt und haben eine Vision, die wir umsetzen wollen. Visionen, passen wahrscheinlich nicht wirklich zu Festanstellungen. Ohne die kreative Freiheit, die wir in unserem eigenen Unternehmen haben, würde langfristig unsere Motivation vermutlich schwinden.

Welchen Tipp könnt ihr jungen Gründern mit auf den Weg geben, die selbst mit dem Gedanken spielen ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Frag uns das nochmal in einem Jahr, dann können wir bestimmt hundert Tipps geben. Derzeit können wir nur sagen: Was kann schon passieren? Einfach loslegen!